75 Jahre Jubiläum

75 Jahre Druckhaus Götz: Ein Jubiläum der Begegnungen

Rund 250 Gäste feierten im Reithaus Ludwigsburg das 75-jährige Bestehen des Druckhaus Götz. Der Abend verband drei Generationen Unternehmensgeschichte mit einem Bekenntnis zu langfristigen Partnerschaften, unternehmerischer Verantwortung und dem Standort Ludwigsburg.

Als die Fassade im Innenhof des Reithauses in kräftigen Farben erstrahlte und der Schriftzug „75 Jahre Druckhaus Götz“ weithin sichtbar auf das historische Gebäude projiziert wurde, war die Kulisse beinahe sinnbildlich für diesen Jubiläumsabend: ein traditionsreicher Ort, in neues Licht gesetzt.

Rund 250 Gäste waren der Einladung des Ludwigsburger Familienunternehmens gefolgt. Mitarbeitende, Kunden und Lieferanten feierten gemeinsam mit langjährigen Wegbegleitern und Vertretern aus Wirtschaft und Politik – jeweils mit ihren Partnerinnen und Partnern. Es sollte bewusst kein klassischer Festakt werden, sondern ein Abend, an dem die Menschen zusammenkommen, die das Unternehmen über viele Jahre und zum Teil über Generationen begleitet haben.

Unter den Gästen waren Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, Ludwigsburgs Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht, der Landtagsabgeordnete Lukas Tietze, IHK-Präsident Axel Kunkel sowie Dr. Alexander Lägeler, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands dmpi. Mit Thomas und Ulrich Götz war auch die vorherige Geschäftsführergeneration vertreten. Manfred Götz wiederum steht für einen Teil der noch weiter zurückreichenden Unternehmensgeschichte: Er begleitete Firmengründer Adam Götz und war am Aufbau der Setzerei in Ludwigsburg beteiligt. 

Für Geschäftsführer Sebastian Götz war gerade das Zusammentreffen dieser unterschiedlichen Wegbegleiter das prägende Element des Abends:

„Dieser Abend hat unsere Familie, unsere Unternehmensgeschichte und die Menschen zusammengebracht, die das Druckhaus Götz über viele Jahre begleitet haben. Genau diese Verbundenheit wollten wir mit unserem Jubiläum zeigen. Einen Abend in diesem Rahmen vorzubereiten, war für uns eine enorme Aufgabe. Die vielen persönlichen Rückmeldungen – zu unseren Gastrednern, zum hervorragenden Catering und zu dieser besonderen Atmosphäre im Reithaus – haben uns aber gezeigt: Jede einzelne Stunde der Vorbereitung war es wert. Was mich dabei besonders gefreut hat: Viele haben uns gesagt, dass der Abend trotz seiner Größe sehr persönlich und familiär geblieben ist. Vielleicht beschreibt genau das auch ganz gut, was unser Unternehmen nach 75 Jahren ausmacht.“

Nicht der exklusive Maschinenpark, sondern Menschen

Das Leitmotiv des Abends war damit gesetzt: „Begegnungen“. Florian und Sebastian Götz stellten ihre gemeinsame Festrede bewusst unter diesen Begriff. Dabei ging es weniger um Umsätze, Produktionsflächen oder Maschinen als um die Frage, was ein Familienunternehmen über dreieinhalb Generationen hinweg trägt.

„Keine dieser Zahlen erklärt, warum ein Familienunternehmen nach 75 Jahren noch immer da ist. Dafür braucht es etwas anderes: Es braucht Menschen und Begegnungen“, hieß es zu Beginn der Rede. Kunden und Lieferanten seien zu Partnern geworden, aus Geschäftskontakten Freundschaften entstanden. Nicht Maschinen, Gebäude oder Bilanzen prägten letztlich ein Unternehmen, sondern die Menschen, die seinen Weg begleiten. 

Den historischen Teil des Abends überließen die heutigen Geschäftsführer bewusst ihren Vätern. Thomas und Ulrich Götz, die das Unternehmen über 4 Jahrzehnte geführt hatten, blickten auf die Entwicklung des Druckhauses zurück – und erzählten dabei nicht nur Firmengeschichte, sondern auch Familiengeschichte.

Die Erinnerungen führten zurück in eine Druckwelt, die mit der heutigen Produktion kaum noch vergleichbar ist: zu Bleisatz und Setzmaschinen, zum Geruch geschmolzenen Bleis und später zum Übergang in den Fotosatz. 1980 hielten Fotosatz und eine kleine Repro Einzug. Was seinerzeit erhebliche technische Infrastruktur erforderte, verfügte über eine Speicherkapazität, die aus heutiger Perspektive verschwindend gering erscheint. Doch die Technologie markierte einen entscheidenden Schritt weg vom Bleisatz. 

Es folgten Jahrzehnte kontinuierlicher Investitionen und Veränderungen. Gerade diese Bereitschaft zum Wandel zieht sich wie ein roter Faden durch die Unternehmensgeschichte.

Investiert wurde immer

Besonders deutlich wurde dies 2008. Am Standort Ludwigsburg war eine neue Druckhalle entstanden, das Nachbargrundstück war erworben worden und mit einer manroland 905 XXL hatte das Unternehmen in eine neue Großformat-Druckmaschine investiert. Nahezu zeitgleich erreichte die internationale Finanzkrise die deutsche Realwirtschaft. Aufträge wurden storniert, neue Bestellungen blieben aus – ausgerechnet in einer Phase hoher Investitionen. 

Für die heutige Geschäftsführung ist diese Erfahrung Teil des unternehmerischen Selbstverständnisses geworden. Krisen kämen und gingen, hieß es in der Festrede; entscheidend sei die Haltung, mit der man ihnen begegne. Bodenständigkeit bedeute deshalb nicht Stillstand. Sie bedeute, auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben und Veränderungen zuzulassen, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren. 

Zwölf Jahre später stellte sich diese Frage erneut. Mitten in der Corona-Pandemie investierte das Druckhaus 2020 in eine neue Druckmaschine und zugleich in eine Photovoltaikanlage auf dem gesamten Dach. Die Entscheidung sei damals durchaus als mutig, von manchen sogar als „verrückt“ bezeichnet worden, erinnerten Florian und Sebastian Götz. Rückblickend bewertet die Geschäftsführung beide Investitionen als wirtschaftlich und strategisch richtig. 

Zum 1. Januar 2022 übergaben Thomas und Ulrich Götz schließlich die Unternehmensleitung an ihre Söhne Florian und Sebastian. Damit ging die Verantwortung für das Druckhaus an die nächste Generation über. 

Familienunternehmen als Teil der Stadt

Dass die Geschichte des Druckhaus Götz eng mit Ludwigsburg verbunden ist, griff auch Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht auf. Er stellte in seinem Beitrag die Bedeutung traditionsreicher Unternehmen für die Stadt heraus und würdigte insbesondere die Rolle von Familienunternehmen, die über lange Zeiträume Verantwortung am Standort übernehmen.

Der Landtagsabgeordnete Lukas Tietze verband wirtschaftspolitische Fragen mit der persönlichen Beziehung zu Sebastian Götz. Einen Schwerpunkt setzte er beim Thema Bürokratieabbau. Schon in der Anmoderation war deutlich geworden, dass diese Verbindung über den politischen Austausch hinausgeht und von gegenseitiger Wertschätzung und Verlässlichkeit geprägt ist. 

Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen beschäftigten auch Florian und Sebastian Götz in ihrer Festrede. Ihr Plädoyer: Unternehmen benötigten keine Sonderbehandlung, wohl aber Bedingungen, unter denen Leistung und Investitionen möglich bleiben.

Dabei verbanden sie die Kritik an zunehmenden Dokumentations- und Berichtspflichten mit dem Hinweis auf die eigene unternehmerische Verantwortung. Das Druckhaus habe beispielsweise bereits 2001 Isopropanol im Feuchtwasser der Druckmaschinen durch ein biologisch abbaubares Produkt ersetzt. Hinzu kämen mineralölfreie Druckfarben, chemiefreie Druckplattenbelichtung und die Photovoltaikanlage. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit seien dabei kein Widerspruch. 

Eine Urkunde – und eine Bekanntschaft, die weit zurückreicht

IHK-Präsident Axel Kunkel griff in seiner Ansprache wirtschaftlich relevante Themen auf und überreichte dem Druckhaus Götz zum 75-jährigen Bestehen eine Jubiläumsurkunde der Industrie- und Handelskammer.

Auch hinter dieser Begegnung verbirgt sich eine langjährige Geschichte. Kunkel kannte das Druckhaus bereits aus jener Zeit, als er beim Versicherungsmakler Daiss in Freiberg selbst Ansprechpartner des Unternehmens im Außendienst war. Heute ist er dort Geschäftsführer Sachversicherungen und Präsident der IHK. 

Noch weiter zurück reicht die Verbindung zu Reinhold Noz. Noz Elektrotechnik feiert 2026 selbst sein 50-jähriges Bestehen. Firmengründer Adam Götz, damals Inhaber des Druckhaus Dörr, war nach Erinnerung der Beteiligten der erste Industriekunde des jungen Elektrotechnikunternehmens. Aus einer Geschäftsbeziehung entwickelte sich über Jahrzehnte eine enge Verbindung zwischen den Familien. 

Noz stellte entsprechend die Bedeutung gegenseitiger Geschäftsbeziehungen, langfristiger Partnerschaft und Loyalität heraus. Dass zwei Familienunternehmen im selben Jahr auf zusammen 125 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblicken können, verlieh diesem Beitrag eine besondere historische Dimension.

Lob an die Mitarbeitenden auch durch Kunden

Einen weiteren Akzent setzte Jürgen Bichelmeier, Geschäftsführer des langjährigen Kunden Rack & Schuck aus Mannheim. Er hob ausdrücklich die Leistung der Mitarbeitenden des Druckhaus Götz hervor und nahm zugleich die Entwicklung der Unternehmerfamilie in den Blick.

Den beiden heutigen Geschäftsführern gab er Gedanken aus eigener unternehmerischer Erfahrung mit auf den Weg: insbesondere dazu, wie sich die unterschiedlichen Rollen und Interessen innerhalb eines Familienunternehmens – Familie, Gesellschafter und Geschäftsführung – auch dann miteinander vereinbaren lassen, wenn Interessenkonflikte entstehen.

Damit berührte er einen zentralen Gedanken des Jubiläums. Florian und Sebastian Götz hatten zuvor selbst einen wesentlichen Teil ihrer Rede den Mitarbeitenden gewidmet. Sie seien es, die das Unternehmen täglich mit Leben füllten, Verantwortung übernähmen, mitdächten und Probleme lösten. Ebenso ausdrücklich galt der Dank Kunden, Lieferanten und Partnern. Viele dieser Beziehungen bestünden seit Jahrzehnten. 

Mehr als 6.000 Euro für Herzenssache

Das Jubiläum sollte jedoch nicht ausschließlich Anlass zum Feiern sein. Anstelle persönlicher Geschenke hatten Florian und Sebastian Götz ihre Gäste um Spenden für Herzenssache e. V. gebeten.

Inzwischen sind dabei mehr als 6.000 Euro zusammengekommen. Die Aktion läuft weiter: Unter dem Stichwort „75 Jahre Jubiläum Götz“ kann noch bis zum Ende des Jubiläumsjahres gespendet werden.

Die Entscheidung fügt sich in den Grundgedanken des Abends ein. In ihrer Rede hatten die Geschäftsführer formuliert, ein Unternehmen, das seit 75 Jahren von Menschen getragen werde, solle auch etwas zurückgeben. Erfolg, so die dahinterstehende Überzeugung, entstehe nie allein. 

Ein Stück Ludwigsburg als Erinnerung

Auch das Gastgeschenk war bewusst gewählt. Jeder Gast erhielt eine Ludwigsburg Edition des Monopoly-Spiels.

Der Bezug erschließt sich gleich auf mehreren Ebenen: Monopoly steht wie kaum ein anderes Gesellschaftsspiel für wirtschaftliches Handeln, Regeln und Erfolg. Vor allem aber ist das Druckhaus Götz selbst Bestandteil der Ludwigsburger Ausgabe. Neben bekannten Orten und Unternehmen der Stadt hat damit auch das Familienunternehmen seinen Platz auf dem Spielbrett gefunden.

So wurde aus dem Geschenk zugleich eine Erinnerung an den Abend und ein augenzwinkerndes Bekenntnis zur Stadt.

Gespräche bis in die frühen Morgenstunden

Nach dem offiziellen Programm bestimmte weniger die Tanzfläche als das persönliche Gespräch den weiteren Abend. Das milde Wetter führte viele Gäste immer wieder nach draußen. Im Innenhof bildeten das historische Reithaus, die farbig illuminierte Fassade und der weithin sichtbare Jubiläumsschriftzug den Rahmen für Gespräche, die teilweise bis tief in die Nacht dauerten.

Für das Catering zeichnete das Wirtshaus zum Ochsen aus Tamm verantwortlich. Die Band Dropzone begleitete den Abend musikalisch. Erst in den frühen Morgenstunden verließen die letzten Gäste das Reithaus.

Damit erhielt das Leitmotiv des offiziellen Programms am Ende eine sehr konkrete Bedeutung. „Begegnungen“ waren an diesem Abend nicht nur das Thema einer Festrede. Sie fanden zwischen Generationen statt, zwischen Mitarbeitenden und Geschäftsführung, zwischen Kunden und Lieferanten, zwischen Politik und Wirtschaft – und vielfach zwischen Menschen, deren gemeinsame Geschichte weit über einzelne Geschäftsbeziehungen hinausreicht.

Nach 75 Jahren richtet sich der Blick nach vorn

Die Frage nach der Zukunft beantworteten Florian und Sebastian Götz an diesem Abend bemerkenswert nüchtern. Wie das Druckhaus und die Branche in fünf oder zehn Jahren aussehen werden, könne niemand verlässlich vorhersagen. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und veränderte Märkte würden auch die Druckindustrie weiter verändern.

Klar sei hingegen, mit welcher Haltung das Unternehmen diesen Veränderungen begegnen wolle: mit Offenheit, Mut und Bodenständigkeit.

Qualität, Verlässlichkeit und persönliche Beziehungen, so die Überzeugung der Geschäftsführer, würden ihren Wert auch in einer zunehmend technologisierten Wirtschaft behalten. Denn selbst die modernste Technologie könne eines nicht ersetzen: Vertrauen. 

Am Ende der Festrede stand deshalb kein Rückblick, sondern ein Satz, der Vergangenheit und Zukunft miteinander verband:

„Wir feiern heute nicht nur 75 Jahre Druckhaus Götz. Wir feiern 75 Jahre Gemeinschaft, Partnerschaft und Begegnungen. Und wir freuen uns auf all die Begegnungen, die noch vor uns liegen.“